Europa

Inhalt

Die Sage von der Europa, die von Zeus entführt wird, ist Ausgangspunkt dieses szenischen Musiktheaters. Aber der Schwerpunkt liegt auf zeitgemäßen Fragestellungen, nicht auf der Historisierung der Sage. Wie soll es mit Europa weitergehen angesichts von Rechtsruck, Menschen auf der Flucht, Nationalismen und libertären Gedankengut?

Bild 1: Der Stier

Im ersten Bild werden Zitate prominenter und fragwürdiger Politikerinnen und Politiker in neue, sinnlos anmutende Dialoge gestellt Eine Schar Personen wandern irritiert auf der Bühne hin und her. Die Musik wird hier vor allem von der Schlagzeugbatterie getragen. Das Bühnenbild ist schwarz/grau gehalten.

Bild 2: Der Liebhaber

Erst hier setzt die Orchestrierung ein. Musikalisch ausgemalt werden europäische Liebeslieder aus 8 Jahrhunderten, die sich um erfüllte und unerfüllte, märchenhafte und realistische Liebe ranken.

Bild 3: Der Gott

Im letzten Bild rezitiert der Chor (nach dem Vorbild des griechischen Theaters, aber orchestral gesetzt) sogenannte europäische Denker, z.B. Nietzsche mit seiner Sorge um den europäischen Nihilismus, Habermas, Carl Schmitt, Walter Benjamin … Philosophen, die sich auf ihre Weise kritisch mit der europäischen Idee auseinandergesetzt und Europa im Faschismus von der schlimmsten Seite erlebt haben.

Vertiefungen

Zu Bild 1 „Der Stier“

Der abstrakten Choreografie und den Eingangszitaten zu Europa korrespondiert eine auf der Schlagzeugbatterie, Pauken, Tuba und Kontrafagott fußende Orchestrierung, die abstrakte Rhythmen kombiniert. Die Deutung ist vielseitig möglich.

Zu Bild 2 „Der Liebhaber“

Ein Geiger wandelt auf der Bühne umher und erweckt nach und nach schlafende Liebespaare zum Leben, indem er und das Orchester europäische Liebeslieder aus acht Jahrhunderte anstimmen. Es entsteht eine anmutige, sinnengefällige Choreografie.

Die Melodien starten natürlich mit einem Liebeslied aus Kreta; es folgt „Dat du meen Leuwsten bist“ (Deutschland), „A fine young man it was indeed“ (England), „och lichten Karin“ (schwedisch), „Abre a porta Anna“ (portugiesisch), „O mia“ (italienisch) usw. – quer durch Europa.

Zu Bild 3 “Der Gott“

Erst hier setzen im Orchester die Streicher chorisch ein, die in Bild 2 lediglich rudimentär pizzicato zu hören waren. Das volle Orchester ertönt. Der Stier hat sich zum Liebhaber gewandelt und wandelt sich zum „Gott“ – dieser „Gott“ aber verstanden als philosophischer Gott, als Gabe der Vernunft, des ästhetischen Empfindens, des Wissens um Gut und Böse, der Freude an den Künsten. Unterschiedliche philosophische Zitate werden choreografisch umgesetzt.

Auf der Bühne wallen im gleißenden Licht weiße Nebel, und ein weißer Stier tritt majestätisch hervor.

Ähnlich wie in der indischen Parabel vom Elefanten, den drei Blinde zu erfassen suchen, machen sich die Liebenden aus Bild 2 an dem weißen Stier zu schaffen, suchen ihn zu zerlegen, zusammen zu setzen, zu begteifen.

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